Arten von Kopfschmerzen

Es gibt eine besondere Spezies

Nach 9 1/2 Tagen durchgehend Migräne endlich wieder einigermaßen frei…
Und wie immer wird Migräne nicht wirklich als Krankheit angesehen, da sie von unwissenden immer als Ausrede benutzt wird. Glaub mir, wenn du wüsstest was es wirklich heißt – diese Arten von Kopfschmerzen – Migräne zu haben, würdest du sie niemals mehr als Ausrede benutzen.
Es leidet der Erkrankte nicht nur körperliche unaushaltbare Schmerzen. Nein. Dazu kommt noch die psychische Belastung. Denn der Job und das soziale Umfeld leidet auch darunter.Job Suche und Migräne? Wird unfairer Weise mehr als schwierig und wahrscheinlich unmöglich, das dich jemand einstellt.
Diese Arten von Kopfschmerzen lassen dich öfters und länger ausfallen. Obwohl du selbst ja nichts dafür kannst. Freunde einladen, die extra eine weitere Anfahrt auf sich nehmen, nur um 2 Stunden später wieder heim fahren zu müssen weil du Migräne bekommst? Hört sich nicht lustig an? Ist es auch nicht.
Ich leide unter Migräne, seit ich denken kann. Aber unerträglich ist es ab 13 geworden. Und genau so lange höre ich mir die immer gleichen teils nett gemeinten, teils herabwürdigenden Kommentare an, die meine Krankheit betreffen.

Migräne ist ein Arschloch

Diese Arten von Kopfschmerzen, eine Migräne fragt nicht, ob es gerade passt. Weil du vielleicht gerade einen Hochzeitstermin hast, ein wichtiges Meeting ansteht oder im Urlaub bist. Der Migräne ist egal, wenn du dich gerade erst von der letzten Attacke erholt hast. Oder gerade einfach nicht mehr kannst. Sie kommt trotzdem – denn streng genommen ist sie nie weg.
Migräne sorgt dafür, dass du dich vor Schmerzen nicht bewegen kannst. Dass dir Übel wird. Das dir Licht und Geräusche körperliche Schmerzen zufügen. Das Bett nicht verlassen kannst, obwohl ein wunderschöner Sommertag ist. Das jede kleine Bewegung die Schmerzen im Kopf explodieren lässt. Das du nicht arbeiten kannst, obwohl du letzte Woche erst gefehlt hast. Das deine Freunde mal wieder ohne dich auskommen müssen. Das über dich geredet wird. Das du außen vor bleibst. Migräne ist eben ein Arschloch, isoliert dich und macht dich wütend.
An alle, die das nicht nachfühlen können, weil sie diese Krankheit und diese Arten von Kopfschmerzen nicht kennen, sollten sich die folgenden Kommentare besser verkneifen – und seien sie auch noch so lieb gemeint. Die blöden Kommentare und gut gemeinten Ratschläge nerven.

Arten von Kopfschmerzen

„Vielleicht hast du einfach zu viel Stress.“
Es wäre schön, wenn weniger Stress im Job oder Alltag die Lösung für Migräne-Geplagte wäre. Das Problem: Stress ist nur bedingt die Ursache für Migräne, da Migräne eine erblich bedingte neurologische Erkrankung ist. Zwar kann zu viel Stress bei manchen Patienten ein Auslöser für Migräne-Attacken sein, doch treten die Kopfschmerzen und unangenehmen Begleiterscheinungen meistens in der Entspannungsphase auf – also zum Beispiel am Wochenende oder sogar im Urlaub.
„Stell dich nicht so an, das sind doch nur Kopfschmerzen.“
Nein, es sind eben nicht „nur Kopfschmerzen“. Migräne fühlt sich an, als würde einem ein Schraubenzieher ins Hirn gedreht oder ein Messer ins Auge gerammt werden. Der Schmerz schwankt zwischen hämmern, pulsieren, und stechen und ist so intensiv, dass er einen regelrecht lähmt. Dazu kommen in vielen Fällen Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Sehstörungen, Sprach- oder Wortfindungsstörungen. Nicht ohne Grund ist chronische Migräne als Behinderung anerkannt.
„Ich glaube, du bist nicht so belastbar.“
Dieser Kommentar, ist nicht nur verletzend, sondern auch schlichtweg falsch. Denn Menschen, die an Migräne erkrankt sind, sind meist aufnahmefähiger und hartnäckiger als gesunde Menschen. Der Grund dafür findet sich in der Ursache der Krankheit: Das Gehirn von Menschen, die an Migräne erkrankt sind, funktioniert anders als das Hirn gesunder Menschen.Während bei gesunden Menschen Informationen gefiltert werden, laufen die Denkprozesse im Hirn von Migräne-Patienten ungebremst ab. Das sorgt zwar letztlich für die Überlastung und die typischen Migräne-Symptome, ist aber auch der Grund, warum gerade Migräne-Geplagte häufig besonders intelligent und kreativ sind. Prominente Beispiele: Charles Darwin, Julius Cäsar, Alfred Nobel, Sigmund Freud, Richard Wagner oder Marie Curie (um nur einige wenige zu nennen). All diese Superbrains litten unter Migräne.
„Du solltest es mal mit Akupunktur versuchen.“
Akupunktur ist nur ein Punkt auf der ellenlangen Liste der gut gemeinten Ratschläge. Ja, Akupunktur kann bei manchen Menschen helfen, die Anzahl der Migräne-Attacken zu reduzieren. Migräne heilen kann die Therapie aber nicht. Solche „Du solltest mal“-Kommentare sind nicht nur nervig, sondern auch echt deprimierend. Viele Patienten werden nämlich alles, was ihnen empfohlen wird, schon lange ausprobiert haben – häufig ohne Erfolg.

 

Noch nicht genug?

„Du siehst aber gut aus – gar nicht krank.“
Wer von Migräne heimgesucht wird, muss nicht zwangsläufig immer aussehen, wie ein wandelnder Toter. Denn nur während eines akuten Anfalls, sieht man demjenigen das Leiden auch tatsächlich an.Nicht dauerhaft „krank“ auszusehen, bedeutet aber nicht, dass man auch gesund ist. Nicht vergessen: Migräne ist eine ernsthafte neurologische und unheilbare Erkrankung.
„Du bleibst ganz schön oft zuhause.“
Dieser Kommentar ist mehr als eine Feststellung. Hier schwingt immer ein Vorwurf (und vielleicht sogar Neid) mit und das macht ihn so unerträglich.Wer chronische Migräne hat und sich wegen häufiger Anfälle öfters krank melden muss, der macht sich weder einen Lenz, noch ist er zu beneiden. Glaubt mir, ich spreche aus Erfahrung: Ich würde tausendmal lieber das Haus verlassen, als wegen einer Migräne-Attacke ans Bett gefesselt zu sein. Also hört auf so zu tun, als würden wir uns anstellen.
„Geh doch mal raus, frische Luft wirkt bei diesen Arten von Kopfschmerzen Wunder!“
Ja, ein Spaziergang an der frischen Luft ist wunderbar und tut in der schmerzfreien Phase sowohl dem Körper als auch der Seele gut. Aber bitte schenkt euch den Kommentar, wenn euer Gegenüber gerade unter einem Migräne-Anfall leidet. Denn dann ist jede noch so kleine Bewegung der blanke Horror. Da fühlt sich ein Schritt oder ein Kopfnicken an wie eine Explosion im Kopf.
„Du solltest öfter Sport machen.“
Ja es stimmt, regelmäßiger ruhiger (!) Ausdauersport kann dazu führen, dass sich die Zahl der Migräne-Attacken reduziert. Die Betonung liegt hier auf „kann.“ Denn nicht immer funktioniert diese Art der Sporttherapie und dann ist der gut gemeinte Ratschlag wie Salz in der Wunde. Wer Migräne hat, würde nämlich alles für ein schmerzfreies Leben geben.
„Du muss dich ablenken, dann verschwinden die Kopfschmerzen von ganz allein.“
Nein. Das tun sie nicht.
„Geh doch mal zum Heilpraktiker.“
Auch dieser Ratschlag wird Menschen mit Migräne aus den Ohren heraushängen. Genau wie bei den Themen Sport, Stress & Co. gilt: Alternative Therapien können dazu führen, dass diese Arten von Kopfschmerzen Migräne-Attacken seltener ausgelöst werden. Sie lassen die Erkrankung aber nicht ganz verschwinden, denn Migräne ist nicht heilbar. Also hört endlich auf Migräne erkrankte voreilig zu verurteilen..
Es ist für uns Mikräneerkrankte schon schwer genug damit leben zu müssen.
Dieser Gastartikel wurde von meinen Sohn Salomon Purkarthofer geschrieben…

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