Wenn du die Chance hättest, wieder einen LKW zu fahren, würdest du sie ergreifen?

Jetzt bin ich 48 Jahre alt geworden und musste meine erste ärztliche Untersuchung absolvieren. Jeder LKW Fahrer weiß, was ich damit meine. Die Lenkerberechtigung der Klasse C und E darf nun für weitere 5 Jahre erhalten bleiben. Für die gewerbliche Güterbeförderung wird aber auch eine C95 Qualifizierung benötigt. Um in der Zukunft keine unterschiedlichen Fristen zu haben, mache ich auch gleich die 5 vorgeschriebenen Module.

Wieso will ich den LKW-Schein aufrecht lassen, wenn ich derzeit eh nicht fahre? Vielleicht am Arbeitsmarkt flexibel bleiben und die Option des LKW- Fahrers noch offen lassen? Kann ja sein, dass mich nochmal das Fahren „juckt“. Noch einmal die alten Erinnerungen aufleben lassen und einen LKW lenken. In zehn Jahren werde ich diese Lust wohl weniger verspüren!

Motivation ist alles?

Was soll mich noch in Zeiten des „Just in Time“ bewegen, LKW zu fahren? Ein Job, wo man als Fahrer keinen artgerechten Parkplatz findet? Die Geldstrafen für Gesetzesüberschreitungen nicht in Relation des Fahrereinkommens stehen? Der Druck und die Gefahren auf den Straßen Europas gestiegen sind? Welche Motivation braucht ein Fahrer, einen LKW zu besteigen und im engsten Raum tagelang von der Familie und Freunden getrennt unterwegs zu sein?

Mit 23 Jahren hat die Transportwelt noch komplett anders ausgesehen. Die LKWs waren mit umständlichen Planenaufbauten ausgestattet. Die Motoren aus heutiger Sicht dezent untermotorisiert. Der einzig vorgesehene elektronische Helfer ab Werk war der Zigarettenanzünder. Der Motortunnel dominierte in der Fahrerkabine mit einer gewaltigen Platzeinschränkung. Ein ebener Boden mit voller Stehhöhe und Stauraum war damals nicht mal ansatzmäßig angedacht. Auf das Ladevolumen wurde eher gedacht.  

Die Zeiten ändern sich absolut

Jetzt könnte man meinen, es hat sich für den Fahrer viel getan. Hat es ja auch. So viel ausgereizten Arbeits- und Wohnplatz gab es für die Fahrer schon lange nicht mehr (ausgenommen Scania). Obwohl die Technik und die Elektronik für den Fahrer viele Erleichterungen bringen. Der Job an Sich bleibt stressig und der Fahrer lässt sich auch noch im 21. Jahrhundert stressen. Aber was könnte mich nochmal bewegen, wirklich ernsthaft meinen Job als Sozialarbeiter aufzugeben und in die Transportwelt einzusteigen?

An erster Stelle steht meine Begeisterung für LKW, Technik und Transport. Das Herz brennt für den Transport und die Herausforderungen auf Europas Straßen. In den letzten Jahren hat sich aber viel verändert. Ich fange wieder fast bei null Erfahrung an. Die alten Erfahrungen helfen da wenig weiter. Ohne Einschulung auf den LKW und Trailer stelle ich mir den ersten Arbeitstag stressig vor. Naja, das Fahren habe ich nicht verlernt. Mit einem Sattelzug fehlt mir aber in der ersten Arbeitswoche die Übung. Das kommt wieder mit der Zeit. Bürokratisch werden sicher viele  Fragen aufkommen und in der ersten Zeit eine rasche Unterstützung brauchen.

Der erste Arbeitstag soll diesmal anders sein

Klar, ich möchte vom ersten Tag an eine gute Performance hinlegen. Diese Variante ist aber schwer möglich, weil zu viele Informationen einprasseln. Für die erste Zeit einen Coach an der Seite zu haben, ist für manche sicher lästig. Aber eine wertvolle Unterstützung, um den Einstieg optimal zu meistern.  

Für die Ladungssicherung möchte ich alle relevanten und in Stückzahl benötigten Zurrgurte, Rutschmatten sowie Kantenschutz übergeben bekommen. Nur Ladungen erhalten, welche für den Aufbau auch zugelassen sind. Einen Gehalt (kommt von gehalten werden) der einem Fahrer auch bei Arbeitsverlust oder Pensionsantritt nicht in die Armutsfalle bringt. Ein Lohn, der nicht oder kaum auf Diäten aufbaut. Eine menschlich gelebte Firmenphilosophie vom Geschäftsführer bis zur Reinigungskraft.  Ein Leitbild das nur für das gute Gewissen an der Wand seinen Platz findet, ist nichts Wert.

Wunschvorstellung

Ich möchte meine Pause auf einen gesicherten Parkplatz verbringen können. Schon klar, dass dieser Wunsch auf Europas Straßen kaum möglich ist. Als Fahrer sind die Ansprüche sowieso minimalistisch.  Der Fahrer hat eine 150tausend teure Zugmaschine. Kann sich aber selbst nach der Arbeit nicht duschen. Ich hasse nichts mehr, als nach einer langen Fahrt verklebt ins Bett zu gehen.

Wie klingt das für dich? Die Fahrzeit geht zu Ende und die Firma oder eine Handy-App lotst dich zum nächst geeigneten Parkplatz. Das klingt doch echt stressfrei, oder?

Trotz bautechnischer Verbesserungen haben LKW noch immer keine ausreichende Möglichkeit, einen Tisch für das Essen anzubieten. Ich koche und schnipple gerne, aber wo geht das in der Kabine? Fahrzeughersteller bieten dieses Extra an, wird aber für Fahrer selten bestellt.

Selbstbestimmt und Selbstverantwortung

Ein LKW-Fahrer bringt meist die Eigenschaft mit, selbstbestimmt arbeiten zu wollen. Den Arbeitstag eigenverantwortlich und in Ruhe gestalten zu wollen. Mehr das Profil als Einzelgänger aufweisen und dadurch eine besonders gute Arbeitsleistung hinlegen. Ohne diese Eigenschaften wäre der Transport von Gütern nicht möglich. Dieser Mut und die Begeisterung auf der Straße zu leben ist von einem besonderen Schlag.

Leider ist auch diese Spezies wie die Cowboys vom Aussterben bedroht. Die Verschmelzung der physisch körperlichen Variante mit der elektronisch technischen wird immer deutlicher. Der Risikofaktor Mensch wird zunehmend eliminiert. In Zukunft wird es wohl nur mehr eine Handvoll Fahrer brauchen.

Erfahrung und die Freude am Job 

Bis dahin sollte der Fahrer eine motivierte Zuneigung aller Beteiligten bekommen. Die der Firma, Speditionen und Kunden. Mich reizen die Straße und das Fahren. Mein Vorteil, ich muss durch meine Ausbildung nicht unbedingt fahren. Andere haben diese Wahl zwischen Fahren oder Büro weniger. Wenn ich schon den Führerschein und die C95-Schulung besitze, sollte dieser auch eingesetzt werden. Der Alltag als Fahrer ist und bleibt herausfordernd. Die gemachten Erfahrungen und Erlebnisse kann einem keiner nehmen.

Wie geht es dir mit dieser Thematik? Was spricht für oder gegen das Fahren mit einem LKW? Weshalb hast du keine Lust mehr, im Transportwesen dabei zu sein?  Oder geht es dir wie mir, du möchtest noch einmal als Fahrer aktiv werden? Schreibe mir ein Kommentar…!

Bild von CopyrightFreePictures auf Pixabay 

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