Mercedes Benz ACTROS MB 1

Das neue Modell Projekt

Kannst du dich noch an den ersten ACTROS erinnern? Mein Chef brachte mich im Jahr 1999 mit dem Auto nach Graz. „Du bekommst einen Vorführer und fährst damit nach Holland“. Als Springer bin ich schon einige LKW Typen gefahren. Diesmal sollte es ein neuer Actros werden. Der Verkäufer fragt: „Bist schon mal mit einer elektronisch unterstützten Schaltung gefahren?“ „Selbstverständlich“ (nicht).

Mein erster Eindruck vom LKW. Ui, der ist aber hoch. Vier Treppen führen steil ins Cockpit. Ohne festhalten wird jeder Ein- und Ausstieg zur sportlichen Veranstaltung. Der flache Boden mein absoluter WAU-Effekt. 1996 war Actros der erste LKW mit flach durchgehenden Boden. Der Motortunnel war erstmals Geschichte.

Startschwierigkeit

Das erste Anfahren ist mir nicht gelungen. Den Schaltvorgang habe ich schon mal nicht hinbekommen. Mein Gehirn war zu lange auf manuelle Schaltung programmiert. Das Annehmen der Gangwahl dauerte mir viel zu lange. Dieses Empfinden war aber eine mathematische Täuschung. Die Elektronik schaltet sogar schneller.

Im Fachjargon wurde das bekannte EPS (ElektronikPowerShift) durch eine „Tellingent Schaltung“ abgelöst.

Um sicher von Hof zu kommen, lies ich der Automatik den Vorzug. Das Schaltverhalten war beim Anfahren auch nicht Perfekt abgestimmt. Über den Bordcomputer wurde das Fahrverhalten gespeichert und optimiert. Ein Computer der quasi mitdenkt.

Schaukelstuhl

Bei diesem Modell war die Feststellbremse gewöhnungsbedürftig. Der Hebel war an der aufwendigen „Schaukelstuhlkonsole“ angebracht. Diese Anbauvariante benötigte Raum. Ich denke, das war damals die beste Lösung. Heute ein absolutes „No-Go“.

Holland, ich komme mit 429 Pferdestärken und einer Menge Elektronik an Bord. Hoch oben sitzend ergab eine angenehme Rundumsicht. Die Aussicht auf der langen Strecke war traumhaft. Das Armaturenbrett bekam eine versuchte Aufwertung.

Stehplatz

Die Wurzelholzfolie hat das hellgraue Plastik für das Auge hochwertig aussehen lassen. Die neu gewonnene Innenhöhe täuscht. Der Vorgänger hatte mit Hochdach eine Stehhöhe von 2,10 Meter. Der Actros Megaspace ohne Motortunnel 1,90 Meter Stehhöhe. Naja, wer will schon stehen. Nur das Fahren bringt den Umsatz, oder?

Die Fahrerkabinen wurden 1996 sicher nicht für dich als Fahrer gebaut. Eine gemütlichen Einrichtung war Fehlanzeige. Für eine durchdachte Raumaufteilung war keine Absicht zu erkennen. Die Betten hatten mit 60 cm Breite eher U-Boot Feeling. Der Stauraum an der Front wirkt etwas herzlos gestaltet.

Schlichte Aufmerksamkeit

Die vielen kleinen Ablagen dienten mehr einer Medikamentenablage. Frisch gekühlte Ware im Kühlschrank stark eingeschränkt. Die Schiebeschränke unter dem Bett haben mir gefallen. Die schlicht kantige Fläche wurde oftmals als Kochstelle verwendet.

An jeder Straßenkreuzung blieb das Anfahren spannend. Die Elektronik hat mehrmals den Gang nicht gefunden. Motor abstellen. Die Abfahrtskontrolle neu aktivieren. Den Bordcomputer über das „Tellingent“ Wartungssystem laufen lassen. Das Gehupe an der Kreuzung ignorieren und los starten. Ab und zu hat der Actros seine volle Aufmerksamkeit gebraucht.

Blut geleckt?

In Holland gut angekommen, war ich erst mal Stolz. Die Erfahrung mit der Schaltung und Technik ging immer mehr ins Blut über. Das Lenkrad lag immer besser in der Hand. An den Parkplätzen hatte ich Aufmerksamkeitsstatus erreicht. Der Actros ist damals im Straßenbild aufgefallen.

Der V6 Motor hatte gute Arbeit geleistet. Ein V8 wurde ebenfalls angeboten. Der V8 war wohl für die Schwerlasttransporte vorgesehen. Elektronisch unterstützte Scheibenbremsen erwiesen sich auf der Fahrt durch ein butterweiches Bremsen. Die „Motorbremse druckluftbetätigte Auspuffklappe mit Konstantdrossel“ erfüllt mit voller Ausladung und langen Gefälle beste Dienste.

Jammerlappen gibt es immer

Jammern auf hohen Niveau geht immer. Beim Actros MP 1 darfst du eines nicht vergessen. Es handelt sich um eine Ablöse. Der erfolgreiche Vorgänger SK (Schwere Klasse) wurde 20 Jahre lang gebaut. Das neue Modell Projekt 1 (MP1) muss für die Ingenieure eine absolute Herausforderung gewesen sein.

Eine neue Generation musste auf die Straße gebracht werden. Neue Technik, viel mehr Elektronik unterstützte Systeme entwickelt und die Aerodynamik verbessert. Ich sage immer „Der Pudding beweist sich erst beim essen“.

Das zu Beginn einiges schief laufen kann, braucht Mut, Erfahrung und eine Weiterentwicklung. Weitere 20 Jahre später kann sich der Actros Giga Space mit Stolz auch ohne Aussenspiegel sehen lassen. Eine weitere Erfolgsgeschichte von Mercedes Benz Trucks…

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