Die Ausdehnung des L17-Modells im LKW Bereich ist auch keine Lösung

 

Im Film „Das Boot“ sagt der Kapitän zum Fotografen: „Machen sie Fotos von einlaufender Besatzung.“

„Nicht von Auslaufender.“

„Wieso das?“

 „Weil sie dann Werte haben.“

 

Die Not scheint in der Transportbranche groß zu sein.

So groß, dass die EU Fahrer im Alter von 17 Jahre in den Schwerverkehr holen will.

Egal ob Nah- oder Fernverkehr.

Das Bedeutet: Der Führerschein für 40 Tonnen soll in Zukunft auch ohne Fahrpraxis zugelassen werden.

Das Motto scheint, je früher desto besser.

Aber was bedeutet das für den jungen Fahrer?

Auf der Straße zu Recht zu kommen ist schon für erfahrene LKW Fahrer eine besondere Challenge.

Erst Recht im Alter von 17 Jahren.

Ausdehnung des L17-Modells im LKW Bereich?

Vor 30 Jahren waren Fahrer im Alter von 18 Jahren und 40 Tonnen auf Europas Straßen unterwegs.

Nach der ersten Tour retour konnte man die Erfahrung und den Stolz im Gesicht ablesen.

 Manche Fahrer hatten nicht einmal die Lizenz für einen Anhänger.

Dennoch wurde der Hänger angekoppelt und ganz Europa abgefahren.

Oftmals so lange, bis die Strafen für den fehlenden E-Schein höher als der Erwerb des Führerschein war.

Ich finde es persönlich nicht unverantwortlich junge Menschen früh die Erfahrung machen zu lassen.

Unverantwortlich sind die unveränderten Arbeits- und Einkommensbedingungen.

Und zwar für alle Fahrer auf Europas Straßen!

Wo andere nach einem 8 Stunden Tag frei haben, ist ein LKW Fahrer bis zu weiteren 7 Stunden in der Arbeit.

Ist die 13 oder 15 Stunden Schicht vorbei, darf der LKW Fahrer zu widrigsten Umständen parken.

Kein Sport, keine Gesellschaft, keine Attraktion auf dem Autohof.

Die Kabine bleibt für 24 Stunden und 7 Tage die Woche ein Käfig.

Film schauen, Bier trinken und schlafen gehen.

Ein sehr begrenztes Leben.

Jugendliche wollen ernst genommen werden

Was, wenn ein junger Mensch im Alter von 17 Jahren die Lust und Bock auf LKW und Campen auf widrigsten Umstände erleben will?

Schon im Kindergarten und Schule vom LKW fahren schwärmt?

Warum nicht?

Sich den Traum erfüllen will, in jungen Jahren Europa zu sehen.

Unterschiedliche Kulturen und Sprachen erforschen.

Einen Hängerzug schieben lernen, auf sich selbst gestellt zu sein und dabei den eigenen Ego befriedigen.

Mit 17 Jahren Stolz einen 40 Tonnen LKW nach Sizilien fahren.

Aufgeregt jeden Montag auf Fahrt zu gehen.

Vielleicht etwas ängstlich, naiv und ohne Vorurteile die Straßen Europas in Erfahrung bringen.

Polizeikontrollen und enge Straßen erleben.

Dieser Job als Fahrer kann dazu viel beitragen, nach der Rückkehr einer Reise Werte im Gesicht zu sehen.

Leider ist das LKW Fahren in „Just in Time“ und „Sklavenhaltung“ ausgeufert.

Hier sollten die Bedenken ihren Platz bekommen und abgeschafft werden!

Kein Mensch kommt auf die Welt, um Dauerstress zu haben.

Aber alle machen dem Anschein nach mit.

Schon mal darüber nachgedacht?

Als LKW Fahrer erlebt man so viel am Tag, was andere ein ganzes Leben nicht erleben.

Wir sollten nicht vergessen.

Für viele junge Fahrer könnte diese an der Lebensrealität vorbeigehende Variante passen.

Wir dürfen der Jugend auch mal was zutrauen.

In Kriegszeiten fragt sich keiner, ob es an der Lebensrealität der Jugendlichen vorbeigeht.

Am LKW fahren schon?

Jugendliche sollten nicht belächelt werden, sondern Rahmenbedingungen zu einem möglichen Einstieg geboten werden.

Solange Jugendliche nicht gefragt und Frauen belächelt werden, wird sich absolut nichts im Transportgewerbe  ändern.

Der Mangel an Fahrer wird bleiben und sich verschärfen.

Für mich stellt sich die Frage.

Wie viele Jugendliche hätten überhaupt Lust, LKW im auferlegten und fremdbestimmten Modus zu fahren?

Eine Ausdehnung des L17 – Modells ist nur dann gut, wenn es dazu Interesse gäbe.

Meine kleine Umfrage bei den Jugendlichen ist nüchtern ausgefallen

Zum Thema LKW fahren war die Aussage von „Scheiße“ bis zu „mehr als 30 Stunden möchte ich nicht arbeiten“ vieles dabei.

Nur einer der Jugendlichen zeigte zum Thema Ausdehnung des L17-Modells im LKW Bereich kurzes  Interesse.

„LKW fahren ist geil, was verdient ein LKW Fahrer im Monat?“

Als er den Grundlohn für die Verantwortung hörte, war auch dieser Jugendliche nicht weiter überzeugt und fassungslos.

Mein Fazit

Es gilt, Jugendliche mit Interesse am Fahren zu gewinnen.

Das Image für das LKW fahren muss langfristig gesehen optimiert werden.

Ansonsten könnte uns in Zukunft passieren, dass kein einziger Nachwuchs mehr für den LKW zu begeistern ist.

Ob mit oder ohne Werte im Gesicht, wäre dieser Zustand  ein weiteres Armutszeugnis für die EU.

 

Kennst du auch Fahrer, die vor 30 Jahren noch ohne Anhängerschein unterwegs waren?

Wie siehst du die Ausdehnung des L17-Modells im LKW Bereich?

Wo siehst du Lösungen?

Welche Ideen hättest du, dass Jugendliche mehr Lust auf LKW fahren hätten?

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Beitragsbild: Gesunde Trucker

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