In den Medien bekommst du folgendes zu hören.
Fahrermangel in ganz Europa!
Laut BGL fehlen allein in Deutschland aktuell 100 000 Fahrer.
Die Zeitung für Güterverkehr „TRANSPORT“ berichtet zugleich über eine wachsende Nachfrage in den Fahrschulen nach einem LKW Führerschein.
Ob sich diese Lücke mit der wachsenden Nachfrage eines Führerscheins für LKW schließen wird?
Was bleibt ist: Die Frage nach einem Fahrermangel bei LKW-Fahrern lässt sich kaum mit einem einzigen Grund erklären.
Ich vermute folgendes.
Dahinter steckt ein Zusammenspiel aus wirtschaftlichen, sozialen, persönlichen und kulturellen Veränderungen.
Warum immer weniger Menschen einen Lkw fahren wollen
Da sind erstmal die Arbeitsbedingungen.
Lange Arbeitszeiten und oft unregelmäßige Schichten.
Viele Nächte und Wochenenden unterwegs.
Mehrere Tage oder Wochen von zu Hause weg.
Zeitdruck durch Just in Time.
Viele junge Menschen schrecken vor diesen Arbeitsbedingungen zurück.
Junge Menschen suchen heute nach mehr Freizeit, planbare Arbeitszeiten und einem Familienleben.
Dann kommt im Verhältnis zur Belastung die Bezahlung.
Das Einkommen wird häufig zum Thema Verantwortung und Belastung als nicht angemessen empfunden.
Ein Lkw-Fahrer trägt Verantwortung für Fahrzeuge im Wert von mehr als 130.000 €.
Ladungen zum Teil im Millionenwert.
Verantwortung der Verkehrssicherheit für die eigene und der anderen Teilnehmer.
Trotzdem verdienen viele Fahrer nur moderat über Durchschnitt.
Zugleich wird über den niedrigen Stundenlohn zu wenig in die Pensionskassa eingezahlt.
Das Image des Berufes
Der Beruf hat in vielen Ländern ein schwaches gesellschaftliches Image:
Gilt als „einfacher Job“.
Wenig Karriereperspektive.
Körperlich und mental belastend.
Viele junge Menschen orientieren sich heute eher an:
IT-Berufen
Technik
Handwerk mit Entwicklungsmöglichkeiten.
Bürojobs von 8 bis 17 Uhr.
Dann gibt es noch die Bürokratie und der Stress im Alltag.
Du wirst mir zustimmen, der Beruf wurde die letzten Jahre stark reguliert:
Lenk- und Ruhezeiten.
Digitale Fahrtenschreiber.
Viele Kontrollen (naja die haben meinem Empfinden nach eher abgenommen).
Parkplatzmangel für Lkw (hat dafür die letzten Jahre massiv zugenommen).
Lieferscheine, Zollpapiere müssen mit den Angaben passen.
Ob ein Fahrer heute oft mehr Zeit mit Warten und Organisation verbringt als mit fahren, kann ich nicht teilen.
Ich habe schon vor dreißig Jahren Stunden mit Warten an der Rampe verbracht.
Fahrermangel einfach lösen – was hat sich verändert?
Um Lkw fahren zu dürfen, brauchst du einen Führerschein der Klasse C/CE.
Dazu kommt die Berufskraftfahrer-Qualifikation und alle 5 Jahre die regelmäßige Weiterbildung.
Die Entscheidung für diesen Job kann dir zwischen 5.000–10.000 € Startkapital kosten.
Ein Jugendlicher fragt sich zu Recht, wieso einen LKW Führerschein machen, wenn die Lust am fahren nicht sicher ist.
Vor 40 Jahren war der Zugang folgender:
Hast du einen LKW Führerschein, hattest du einen zweiten Job.
Der Fahrschulkurs war für die Gruppe C/E einfach günstig (1700 Euro).
Nach 14 Tagen Fahrschule wurde der Führerschein abgeholt.
Die erste Fahrt nach Italien konnte bereits nach der Prüfung mit 40 Tonnen angetreten werden.
Aber was tun, um mehr Nachwuchs anzusprechen?
Eine bessere Bezahlung.
Naja, die Bezahlung ist nicht alles.
Viele Experten sagen aber klar:
Der Markt muss die Arbeit besser bezahlen.
Wenn Fahrer deutlich mehr verdienen würden (z. B. 3.500–4.000 € netto), wäre der Beruf sofort attraktiver.
Ich wäre schon mit einem Grundlohn von Netto 2500 € zufrieden.
Siehst du das auch so?
Zugleich braucht der Mensch planbarere Arbeitszeiten.
Modelle, die funktionieren:
- tägliche Heimkehr (passt nicht für jeden Fahrer)
- 4-Tage-Woche (Ergeben bereits mehr als 40 Wochenstunden)
- regionale Touren (können aber anstrengender sein als Fernverkehr)
Je weniger Fernverkehr, desto attraktiver für junge Fahrer.
Behaupten zumindest sogenannte Experten.
Vorsicht, andere lieben den Fernverkehr!
Auch ich ziehe den Fernverkehr dem Nahverkehr vor.
Lange Fahrten, weniger Stress mit Be- und Entladen.
Meine Frage an dich: soll Ausbildung bezahlt werden?
Laut Experten eine wichtige Maßnahme dem Mangel entgegen zu wirken:
- kostenloser Lkw-Führerschein
- Finanzierung durch Unternehmen oder Staat
Einige Firmen machen das bereits – und gewinnen dadurch den ersehnten Nachwuchs.
Ich finde, der Führerschein muss nicht kostenlos sein.
Aber im Verhältnis für dich und mich leistbar bleiben.
Steuerliche Absetzbarkeit wäre z.B. eine Möglichkeit.
Oder bei Berufswunsch Subventionen für den Fahrer.
Die marode Infrastruktur verbessern!
Als LKW Fahrer erlebst du täglich den Zustand der maroden Infrastruktur.
Stimmt`s?
Ein großes Problem sind fehlende und sichere Lkw-Parkplätze.
Sanitäre Anlagen, welche dem Fahrer nach einem langen Tag zumutbar sind.
Rastplätze wo in der Nacht wirklich Ruhe herrscht.
Am nächsten Morgen weder Diesel fehlt, Plane geschlitzt, noch der Fahrer in der Kabine begast wurde.
Die Realität sieht leider so aus:
Viele Fahrer schlafen auf überfüllten und lauten Parkplätzen.
Parkplätze wo es keine Anreize gibt.
Die Nacht wenig Erholung durch entspannten Schlaf bietet.
Zäune, Betonwände, schlechte oder fehlende Waschmöglichkeiten herrschen.
Der Gestank von Urin die Nase rümpft.
Fahrermangel einfach lösen – Anreiz für die Jugend schaffen
Wichtig ist, Anreiz für die Jugend zu schaffen.
Mein Interesse für LKW ist in der Kindheit entstanden.
Für mich war mein Onkel das Vorbild.
Er brachte als LKW Fahrer aus den verschiedensten Ländern exotische Waren nach Hause.
Für mich war das als Kind was Besonderes.
Nachdem ich mal in den Ferien mitfahren durfte, war ich nicht mehr zu halten.
Der Reiz, selber so ein großes Fahrzeug zu lenken, war geboren.
Heutzutage haben Jugendliche kaum die Chance oder Interesse mal selbst eine Tour mitzufahren.
Wenn das nicht eine Idee für Schule und Berufsorientierung ist?
Ein tieferer Blick: Der gesellschaftliche Wandel
Betrachten wir mal das Ganze aus einer anderen Perspektive:
Früher stand die Arbeit oft für Pflicht und Existenzsicherung.
Heute suchen viele Menschen eher Lebensqualität, Sinn und Freiheit.
Berufe, die stark an Zeit, Ort und Belastung gebunden sind – wie der LKW-Fahrer – geraten dadurch unter Druck.
Die Herausforderung liegt darin, den Beruf LKW-Fahrer wieder so zu gestalten, dass er mit modernen Lebensentwürfen kompatibel wird.
Fazit:
Fahrermangel einfach lösen, bleibt auch im KI Zeitalter eine Challenge.
Menschen wollen eher Lkw fahren, wenn der Beruf:
Besser bezahlt wird, sodass auch die Pension genossen werden kann.
Das Leben bzw. Freizeit planbar ist.
Keine 13/15 Stunden Arbeitszeit täglich erwartet werden.
Ein Fahrer muss stressfrei und selbst bestimmt zu einem guten Parkplatz fahren können.
Der Führerschein sollte schnell und mit günstigen Eigenkapital zugänglich werden.
Dem LKW-Fahrer ist es wichtig, eine echte Wertschätzung zu bekommen (auch ohne Corona Plandemie).
Ein Teil an fehlenden LKW-Fahrern kann in der Zukunft mit selbstfahrendem LKW abgedeckt werden.
Dort wo die Fahrt flexibel gestaltet werden muss, wird es weiterhin Fahrer geben müssen.
Das wird nur funktionieren, wenn Fahrer in der Jobbörse anstatt “gesucht”, auch “eingeladen” werden.
Den “Fahrermangel einfach lösen” kann nur mit vereinten Kräften gelingen…
Welche Erfahrung hast du mit dem Thema Fahrermangel gemacht?
Wie siehst du die Situation?
Überlegst du gerade, ob der Beruf LKW Fahrer was für dich sein könnte?
Schreibe mir ein Kommentar…!
Beitragsbild: Gesunde Trucker